Friedrich Hölderlin – „Die Blindesten aber / Sind Göttersöhne“

NM im Kult-Bau

>>> Dienstag, 5. Juni 2018, 20.00 Uhr

Friedrich Hölderlin – „Die Blindesten aber / Sind Göttersöhne“

Daniel Fuchs, Clemens Umbricht & Florian Vetsch lesen Texte von & über Friedrich Hölderlin (1770–1843).

(Eintritt frei, Kollekte)

Daniel Fuchs, Clemens Umbricht & Florian Vetsch lesen die bei Hauptwil entstandene Hymne Der Rhein von Friedrich Hölderlin sowie weitere ausgewählte Stücke aus Hölderlins Werken. Hölderlins interkulturelle Theologie und seine Nähe zu den revolutionären Bewegungen seiner Zeit halten den Anti-Klassiker lebendig.

„Einer ging im Schwunge noch über Schiller hinaus, Goethe meinte, er ginge zu weit, schwinge sich in die Leere, doch war es nicht so, es war nur ein Hinüber, ein neuer unbefahrener Ozean, sein eigenes Gemüt. Ich rede von Hölderlin…“ (Hugo von Hofmannsthal)

Und herrlich ists, aus heiligem Schlafe dann
Erstehen und aus Waldes Kühle
Erwachend, Abends nun,
Dem milderen Licht entgegenzugehn,
Wenn, der die Berge gebaut
Und den Pfad der Ströme gezeichnet,
Nachdem er lächelnd auch
Der Menschen geschäftiges Leben
Das othemarme, wie Segel
Mit seinen Lüften gelenkt hat,
Auch ruht und zu der Schülerin jetzt,
Der Bildner, Gutes mehr
Denn Böses findend,
Zur heutigen Erde der Tag sich neiget.

aus Friedrich Hölderlin: Der Rhein (1801)

Wo aber sind die Freunde? Bellarmin
Mit dem Gefährten? Mancher
Trägt Scheue, an die Quelle zu gehn;
Es beginnet nämlich der Reichtum
Im Meere. Sie,
Wie Maler, bringen zusammen
Das Schöne der Erd’ und verschmähn
Den geflügelten Krieg nicht, und
Zu wohnen einsam, jahrlang, unter
Dem entlaubten Mast, wo nicht die Nacht durchglänzen
Die Feiertage der Stadt,
Und Saitenspiel und eingeborener Tanz nicht.

Nun aber sind zu Indiern
Die Männer gegangen,
Dort an der luftigen Spitz’
An Traubenbergen, wo herab
Die Dordogne kommt,
Und zusammen mit der prächt’gen
Garonne meerbreit
Ausgehet der Strom. Es nehmet aber
Und gibt Gedächtnis die See,
Und die Lieb’ auch heftet fleissig die Augen,
Was bleibet aber, stiften die Dichter.

aus Friedrich Hölderlin: Andenken (1803)

„Wer bloss an meiner Pflanze riecht, der kennt sie nicht, und wer sie pflückt, bloss, um daran zu lernen, kennt sie auch nicht.“

aus Friedrich Hölderlins Roman Hyperion oder Der Eremit in Griechenland (1797/1799)





Friedrich Hölderlin, 1826, Zeichnung von Johann Georg Schreiner



Im nach ihm benannten Hölderlinturm in Tübingen lebte der Dichter von 1807 bis zum seinem Tod 1843

Weitere Informationen:
Friedrich Hölderlin auf Wikipedia
Webseite der Hölderlin-Gesellschaft Tübingen

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Friedrich Hölderlin, 1792, Gemälde von Franz Karl Hiemer